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Schadlos anLiteratur

Hörbücherei vor Ort gestartet


02.12.2013 - fjh


Das neue Projekt "Hörbücherei vor Ort" ist am Montag (2. Dezember) an sechs hessischen Bibliotheken an den Start gegangen. Vor allem spät erblindete Senioren sollen damit ein wohnortnahes Angebot an Literatur auf Tonträgern erhalten.
"Wir freuen uns sehr, anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember mit diesem Modellprojekt an die Öffentlichkeit gehen zu können", sagte Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach. "Schließlich bedeutet jede altersbedingte Einschränkung des Sehvermögens einen harten Einschnitt für den Alltag und die Lebensqualität jedes Betroffenen."
Das schlägt sich nicht zuletzt in der Lesefähigkeit nieder. Was vorher leicht und flüssig ging, kann mit einem Grauen oder Grünen Star oder nach einer Netzhautablösung zur quälenden Mühsal werden.
"Wer mit einem Sehverlust zu kämpfen hat und gerne liest, muss nicht zwangsläufig in die oft spärlich ausgestattete Großdruck-Abteilung seiner Stadtbücherei gehen oder gar ganz zuhause bleiben", ergänzte Rudi Ullrich. Er ist Ressort-Verantwortlicher des Bereichs Kommunikation & Teilhabe der Deutschen Blindenstudienanstalt (BliStA) in Marburg.
Zusammen mit sechs hessischen Partner-Bibliotheken hat die BliStA die "Hörbücherei vor Ort" ins Leben gerufen als Hessens Internet-Bibliothek für blinde und sehbehinderte Seniorinnen und Senioren sowie andere Menschen mit Seheinschränkung. Wer nicht mehr lesen kann, darf hören.
Er hat die freie Auswahl aus über 40.000 Titeln, die die BliStA in ihrem Online-Katalog anbietet. Alle Hörbücher sind ungekürzt und kostenlos auf praktischen MP3-CDs erhältlich.
"Die CDs lassen sich auf jedem handelsüblichen DVD- und CD-Player mit MP3-Funktion abspielen und sind somit äußerst benutzerfreundlich", erläuterte Projekt-Koordinator Savo Ivanic. "Zumal Literatur eine enorme
Lebensbereicherung ist", gelte das erst recht, wenn soziale Kontakte im Alter wegbrechen und Hörbücher oft das Einzige sind, das den Betroffenen einen gewissen Halt und eine Alltagsstruktur gibt.
Die Stadtbücherei vor Ort dient als Anlaufstelle. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für die besonderen Bedürfnisse blinder und
sehbehinderter Menschen geschult worden sind, stehen für die Beratung und Unterstützung beim Zugang zu den Medienangeboten zur Verfügung.
Daneben profitieren Betroffene von der Kompetenz der blista als Selbsthilfe-, Beratungs- und Rehabilitationszentrum.
"Die Mitarbeiter unserer Partner-Bibliotheken sind selbstverständlich keine Ersatz-Optiker oder Reha-Berater", betonte Ullrich. "Bei Bedarf verweisen sie jeden Interessierten an uns, egal ob es sich um vergrößernde Sehhilfen oder andere Hilfsmittel für Beruf und Alltag handelt."
Für ausführliche Informationen haben die Initiatoren des Modellprojekts mit finanzieller Unterstützung des Hessischen Sozialministeriums die Internet-Seite www.hoerbuecherei-vor-ort.de ins Leben gerufen. Hier können sich Betroffene und Angehörige neben dem Hörbuch-Angebot über alles Wissenswerte rund ums Thema Sehverlust von Hilfsmitteln über Links zu Selbsthilfe-Organisationen bis hin zum Alltag mit einer Sehbehinderung informieren.
Neben dem Zugang zu Literatur und den sozialen Aspekten ist den Beteiligten das Thema Gleichberechtigung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung ein wichtiges Anliegen. Nicht zuletzt gelte das deshalb, weil die im Jahr 2009 von der Bundesrepublik Deutschland mit unterzeichnete UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen genau diese Teilhabe einfordert. Wer käme dafür besser in Frage als die Öffentlichen Bibliotheken als Orte nicht nur des Lesens, der Bildung und Kultur, sondern auch der Begegnung von Menschen aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen, Milieus und Schichten.
"Da dürfen Menschen mit Behinderung natürlich nicht fehlen", betonte Jürgen Hölzer. Er ist Leiter der Stadtbücherei Marburg. Das Angebot steht ab Montag (2. Dezember) in den Stadtbibliotheken und Stadtbüchereien von Bad Hersfeld, Gießen, Hanau, Marburg, Oberursel und Offenbach zur Verfügung.


pm: Deutsche Blindenstudienanstalt - 02.12.2013



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