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Straßen der Erinnerung

Ehrung für Verdienste und Mahnung für die Zukunft


22.08.2010 - fjh

Foto: Käte Dinnebier
Die Straße "Am Richtsberg" sollte man nach Käte Dinnebier benennen. (Foto: Rainer Kieselbach)
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"Namen sind Schall und Rauch", sagt der Volksmund. Viele Namen bedeutender Persönlichkeiten verblassen im Laufe der Jahre nach ihrem Tod. Mit ihnen entschwindet oft die Erinnerung an diese Menschen.
Den Zeitgenossen hingegen waren sie vielleicht sogar die Benennung einer Straße oder eines Platzes wert. Damit verknüpften sie die Erwartung, dass die geehrte Person in dem Namen einer Straße weiterlebe und damit zugleich auch im kollektiven Gedächtnis bleibe.
Nach dem Tod herausragender Menschen erhebt sich daher häufig der Wunsch, eine Straße oder einen Platz mit ihrem Namen zu zieren. Oft ist das auch spontaner Ausdruck der Trauer über ihren Tod.
Auch Käte Dinnebier hätte eine Straße verdient, die fortan ihren Namen trägt. Schließlich hat sie fast 50 Jahre lang die Last des Kampfes für gerechtere Lebensbedingungen in Marburg getragen. Sie war eine herausragende Persönlichkeit.
Das Augenmerk ihres Einsatzes galt nicht nur der Gleichberechtigung von Frauen und Männern sowie menschlicheren Arbeitsbedingungen. Auch ihr Wohn-Umfeld am Richtsberg war ihr wichtig.
Dort gibt es eine Straße mit dem – nicht gerade glücklichen – Straßennamen "Am Richtsberg". Vielleicht sollte man sie in "Käte-Dinnebier-Straße" umbenennen.
Mancher mag nun einwenden, dass der Name der Marburger Gewerkschafterin, Frauenrechtlerin und Kommunalpolitikerin in 50 oder 100 Jahren niemandem mehr etwas bedeute. Doch gerade deswegen wäre es wichtig, ihn durch die Straße am Leben zu halten.
Viele andere große Geister in Marburg hätten ebenso eine Straße verdient wie "Käte". Auch wenn dadurch nicht gleich jeder um die Verdienste desjenigen weiß, dessen Namen die betreffende Straße trägt, trüge es doch zur Erinnerung an seine Aktivitäten bei.
Ob die Romanisten Erich Auerbach und Werner Krauß, der Jurist Franz-Eduard von Liszt oder viele andere vergessene Größen Marburgs: Sie alle sollten nicht dem Vergessen anheim fallen. Straßennamen könnten das kollektive Gedächtnis an ihre Leistungen wachhalten.
Hinzu kommen müsste freilich noch eine Darstellung ihrer Verdienste. Sie sollte auch um diejenigen Personen ergänzt werden, deren Namen schon in einer Marburger Straße verewigt sind. Wer weiß denn heute noch wirklich, wer beispielsweise Hedwig Jahnow war?
Wer in seinem Leben großartige Dinge geschaffen hat, der darf nicht einfach so sterben. Sein Gedenken ist aber nicht in erster Linie rückwärtsgewandte Gefühlsduselei, sondern vielmehr Auftrag für die Zukunft. Wichtig wäre, dass möglichst viele Menschen die Straße weiter beschreiten, die der Geehrte einst geebnet hat.


Franz-Josef Hanke - 22.08.2010



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