Sie sind hier: marburgnews > Politik > Detailansicht



Text Karsten McGovern anzeigen

Karsten McGovern

Stellvertreter will Chef werden


19.08.2013 - fjh

Foto: Dr. Karsten McGovern
Der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern bewirbt sich bei der Landratswahl am Sonntag (8. September). (Foto: Naomi Fenner)
Langbeschreibung für dieses Bild anzeigen

"Das KJC ist gewissermaßen mein Kind", erklärt Dr. Karsten McGovern. "Wann hat man schon einmal in der Verwaltung die Chance, eine solche Einrichtung von Anfang an aufzubauen und auszugestalten?"
Stolz ist McGovern auf das KreisJobCenter (KJC). Die Einrichtung betreut die langzeit Arbeitslosen im Landkreis Marburg-Biedenkopf.
Nicht zuletzt McGoverns Überzeugungskraft ist die Tatsache geschuldet, dass der Kreis zu den ersten "Optionskommunen" Deutschlands gehört. Während anderswo die Kommunen die Erwerbslosen gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit (BA) in einer örtlichen Arbeitsgemeinschaft (ArGe) verwalten, führt das KJC diese Aufgabe nach Maßgabe der Gesetzlichen Regeln und Verwaltungsvorschriften eigenständig aus.
Das eröffne mehr Freiräume, erläutert McGovern. So setze er sich ganz besonders für Frauen und eine umfassende Kinderbetreuung ein. Dadurch sei der Vermittlungsanteil weiblicher Erwerbsloser im Landkreis deutlich höher als anderswo.
Seit 2003 ist McGovern Kreisbeigeordneter. In dieser Funktion vertritt er den CDU-Landrat Robert Fischbach.
Nach dessen Ausscheiden aus Altersgründen möchte McGovern seinen bisherigen Chef nun beerben. Sollte er allerdings nicht zum Landrat gewählt werden, bliebe er dessen Stellvertreter.
"Die Koalition im Kreis ist stabil", stellt er fest. Seine Amtszeit könne er also ungehindert bis zu ihrem Ende ausfüllen.
Nicht so stabil sind indes die Finanzen des Kreises. Deshalb musste der Landkreis auch unter den "Kommunalen Rettungsschirm" des Landes Hessen schlüpfen. Dank der zusätzlichen Mittel aus diesem Topf könne der Kreis seine wichtigen Aufgaben aber auch künftig erfüllen.
McGoverns bisherige Zuständigkeiten umfassen neben dem Gesundheitssektor auch die Sozialpolitik und den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Der Erste Kreisbeigeordnete ist nicht nur Vorsitzender des Regionalen Nahverkehrsverbands Marburg-Biedenkopf (RNV), sondern auch Mitglied im Aufsichtsrat des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV).
Sorgen bereiten ihm die Zuweisungen der Gelder für den Verkehr im ländlichen Raum. Wenn sich die Finanzlage so weiter entwickelt wie bisher, dann sieht McGovern deutliche Probleme auf den ÖPNV außerhalb der größeren Städte und Ballungsräume zukommen.
Ohnehin sei das Gefälle zwischen der Universitätsstadt Marburg und dem Umland schon jetzt sehr groß, findet er. Eine weitere Abkopplung der Dörfer und Ortsteile von der Infrastruktur könne zum Ausbluten des ländlichen Raums und einer Flucht der Bewohner in die Städte führen.
Angesichts des demografischen Wandels benötige die Gesellschaft jedoch Konzepte zur wohnortnahen Pflege auch in abgelegenen Dörfern und Ortsteilen. Mit dem Projekt "Gesundheitsregion Marburg-Biedenkopf" sowie einem Projekt zum Demografischen Wandel habe der Landkreis aber auch hier bereits wichtige Weichen gestellt.
Größere Probleme erwartet McGovern bei der Sanierung von Schulbauten. Als Schulträger habe der Kreis die energetische Sanierung vielerorts aber schon in Angriff genommen.
Natürlich liegt dem Grünen-Politiker die Energiepolitik am Herzen. Bei der Energiewende sei der Landkreis gut vorangekommen, findet McGovern.
Dabei sei es ein Vorteil, dass der bisherige Landrat Mitglied der CDU war. Das habe vieles erleichtert. Auch ambitionierte Pläne seien deshalb nicht als "Spinnerei" abgetan worden.
"Wenn ich Landrat werde, wird das anders", bemerkt McGovern nüchtern. Allerdings habe man ja bereits vieles gemeinsam auf den Weg gebracht, was nun nur noch weitergeführt und fortentwickelt werden müsse.
Bei der Energiewende möchte McGovern künftig mehr auf die Einbeziehung der Bürger achten. Wichtig sei, dass beispielsweise Windkraftanlagen nicht in Naturschutzgebiete gebaut werden oder an Stellen, wo sie die Landschaft verschandeln. Andererseits sei der Ausstieg aus der Atomenergie ohne Windkraft und Solarenergie nicht zu haben.


Franz-Josef Hanke - 19.08.2013



© 2007 by  marburgnews