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Egon Vaupel

Es ist für mich ein großes Glücksgefühl, meine Mitmenschen unterstützen zu können


29.01.2011 - gac


"Ich liebe und lebe heute diese Stadt", sagt Egon Vaupel. "In dieser Stadt lebt eine ganz besondere emotionale Stimmung und mit ihr ganz besondere Menschen."
Der gebürtige Schlierbacher kam 1972 der Liebe wegen nach Marburg. Zugleich entwickelte sich seine Liebe für die Stadt.
Vaupel durchlief eine Vielzahl von beruflichen Stationen, bis er 2005 zum Oberbürgermeister gewählt wurde. So absolvierte er eine Ausbildung bei einem Süßwaren-Großhändler, eine KFZ-Einzelhändler-Ausbildung, schloss ein Werkstudium in der Industrie mit den Schwerpunkten Arbeitsplatzgestaltung und optimale Herstellung von Wirtschaftsgütern ab und arbeitete zuletzt in der Finanzverwaltung.
"Das ist die schönste berufliche Biografie, die ich mir vorstellen kann", lächelt er.
Zur Politik kam der 60-jährige vor allem durch seinen Großvater, der ihn auf die Verantwortung hinwies, die der Einzelne gegenüber der Gemeinschaft hat. Zum Sozialdemokraten wurde Vaupel 1969 aufgrund seiner tiefen Bewunderung für den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt. Mit seiner Politik der Aussöhnung und der inneren und äußeren Nachbarschaft überzeugte Brandt den jungen Vaupel.
Trotzdem versteht sich der Oberbürgermeister der Stadt Marburg als Basisarbeiter. "Kommunalpolitik hat mich schon immer mehr interessiert als die Bundespolitik", erklärt er. "Ich will da sein, wo die Menschen sind und wo man die Erfolge direkt sehen kann. Es ist für mich ein großes Glücksgefühl, meine Mitmenschen unterstützen zu können."
Der Oberbürgermeister bedauert, dass immer mehr Menschen sich bei politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen fühlen. In Zukunft müsse man Formen finden, die alle Menschen aktiv in Entscheidungen einbinden, um so das Vertrauen in die Politik und die Demokratie wieder herzustellen.
Auch die Frage, ob es in der bundesdeutschen Gesellschaft gerecht zugeht, müsse immer wieder aufs Neue gestellt werden. So dürfe die soziale Herkunft niemals über den Lebensweg des Einzelnen bestimmen.
Rückblickend auf seine vergangene Amtsperiode, sieht Vaupel viele positive Entwicklungen. Neben richtigen und wichtigen Großprojekten wie dem Stadtentwicklungsprozess mit der Philipps-Universität oder den Investitionen von Novartis und der Deutschen Vermögensberatung (DVAG), gebe es auch zahlreiche kleine Erfolge zu verzeichnen. Hier verweist Vaupel auf die schnelle Aufstellung des Deserteursdenkmals sowie die Eröffnung des Marburger Weltladens am Marktplatz. Nicht zu vergessen seien der Ausbau der regenerativen Energien und die neuen Krippenplätze.
Doch Erfolge werden nicht an der Größe des Projekts gemessen, weiß Vaupel: "Wichtig ist, dass wir eine offene und tolerante Gesellschaft in der Stadt entwickelt haben und dass das auch in Zukunft so bleiben wird."
Der Bahnhofsumbau dagegen, sei nicht so gelungen, wie er sich das vorgestellt habe. Er dauere nach wie vor viel zu lange.
Auch bedürfe es an der ein oder anderen Stelle kleiner Nachbesserungen und Veränderungen. Insgesamt jedoch seien in den vergangenen sechs Jahren keine schwerwiegenden Fehler gemacht worden, die die Entwicklung der Stadt stark geschwächt hätten.
So soll es auch in Zukunft weitergehen. Vaupel will den eingeschlagenen Weg weiterbeschreiten und dabei neue Punkte mit einbeziehen.
So will er sich darum bemühen, einen Standort der Technischen Universität Mittelhessen nach Marburg zu holen. Konkret schwebt ihm dabei ein Pharmazie-Schwerpunkt vor, um Marburg als Pharma-Standort weiter aufzuwerten. Ebenso würde er sich in seiner zweiten Amtszeit für ein Stadtmuseum einsetzen.
Ein weiteres Projekt für die Zukunft ist zusammen mit derStadt Gießen eine Bürgerbeteiligungs-Satzung. Hier führt Vaupel bereits Gespräche, wie die Grundlage für eine aktive und nachhaltige Bürgerbeteiligung aussehen könnte. Die beiden Städte wollen auf diesem Gebiet eine Vorbildfunktion übernehmen.
"Letztendlich sind wir an Bund und Land gebunden“, sagt Vaupel. "Doch wir werden die soziale und gerechte Kommune weiter ausbauen. Kein Kind soll uns auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben verloren gehen."


Giulia Coda - 29.01.2011



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