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Nur Karaoke

Allein Die drei Stimmen stimmten


12.07.2010 - fjh

Foto: Drei Stimmen
Die drei Stimmen sangen zum Abschluss des Stadtfests 3Tm in der Elisabethkirche. (Foto: Erdmuthe Sturz)
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Der als Konzert angekündigte Abschluss des Stadtfests 3 Tage Marburg (3TM) war in Wirklichkeit eine Karaoke-Show. "Die drei Stimmen" aus Gießen sangen am Sonntag (11. Juli) in der Elisabethkirche ausschließlich zu Konserven vom Band.
Dabei war nicht immer deutlich zu hören, wo die Vokalisten mit Chören vom Playback im Duett sangen und wo ihre eigenen Stimmen unverfälscht zur Geltung kamen. Zudem raubte die mitunter pompöse Schlagwerk- und Orchester-Verstärkung dem Vortrag seine Natürlichkeit. So wirkte die Darbietung mitunter etwas kitschig.
Dabei hätten die drei Stimmen selbst genügend Kraft, ein Konzert allein mit ihrem wohltönenden Gesang zu tragen. Vor allem Tom Pfeiffer brillierte mit seiner großartigen Tenorstimme im gekonnten Belcanto.
Aber auch seine beiden Mitsingenden Ingi Fett und Heinz-Jörg Ebert hätten ihre Sangeskünste keineswegs unter dem überbordenden Klangteppich aus dem Lautsprecher verstecken müssen. Sauber meisterten sie auch durchaus schwierige Partituren fast ohne jeden Fehler.
Größtenteils gelungen war auch die Auswahl der vorgetragenen Stücke. Sie reichte von Belcanto-Einlagen über bekannte Pop-Songs bis hin zum "Wolga-Lied" oder dem vertonten Gebet "Von guten Mächten wunderbar geborgen".
Aufschlussreich waren dabei auch die Ansagen zum jeweiligen Stück. So konnte sich das Publikum in der vollbesetzten Kirche sicherlich dem bewundernden Respekt gegenüber der Zuversicht des Theologen Dietrich Bonhoeffer anschließen, der dieses Gebet angesichts seiner bevorstehenden Hinrichtung verfasst hatte.
Wäre der gekonnte Gesang mit einem e-Piano oder einigen wenigen anderen Instrumenten live untermalt worden, dann wäre der Abend ein würdiger Ausklang des gelungenen Stadtfests geworden. So aber blieb der schale Beigeschmack einer – sicherlich mit viel Schweiß und Können, jedoch ohne den nötigen Respekt vor dem Publikum – letztlich beiläufig abgesungenen Aufführung.


Franz-Josef Hanke - 12.07.2010



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