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Ich und Kaminski

Jürgen Jürges erhält Marburger Kamerapreis 2016


31.10.2015 - fjh


Zum 16. Mal wird im März 2016 der Marburger Kamerapreis verliehen. Als Preisträger hat die Jury den deutschen Kameramann Jürgen Jürges ausgewählt.
Jürges habe den deutschen Film seit den frühen 70er Jahren geprägt wie kaum ein anderer Kameramann, lautete die Begründung. Die Verleihung wird im Rahmen der Bild-Kunst-Kameragespräche am 12. März 2016 stattfinden.
"Angst essen Seele auf", "In weiter Ferne, so nah!", "Code: unbekannt" uund "John Rabe" zählen zu den über 100 Filmen, an denen Jürges beteiligt gewesen ist. Das aktuellste Werk von ihm, das derzeit in den Kinos zu sehen ist, heißt "Ich und Kaminski". Drei weitere Filme befinden sich noch in der Post-Produktion.
Der 74-jährige Preisträger gilt als einer der innovativsten Kameramänner Europas. Sein Oeuvre sei grandios und weit gespannt, sagte Prof. Dr. Karl Prümm als Initiator des Marburger Kamerapreises. Was Jürges besondere Qualität ausmache, sei seine Fähigkeit, sehr unterschiedliche Atmosphären beschwören zu können.
"Es ist nachzuvollziehen, warum so viele Regisseure so gern mit ihm arbeiten", erklärte Prümm. Das geschehe, "weil er mit Sorgfalt und äußerster Konsequenz eine Bilderwelt auslotet."
Jürges habe den Preis wie kaum ein Zweiter verdient. Mehrfach sei er auch schon in den Jahren zuvor im Gespräch gewesen.
Jürges ist der 16. Preisträger des Marburger Kamerapreises. Diese Auszeichnung wird jährlich von der Philipps-Universität und der Universitätsstadt Marburg im Rahmen der Bild-Kunst-Kameragespräche in den Filmkunsttheatern Marburg vergeben. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und honoriert "herausragende Bildgestaltung im Film".
Die Veranstaltung ist laut Stadträtin und Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach ein Musterbeispiel für die Kooperation zwischen der Universitätsstadt Marburg und der Philipps-Universität. Sie sei positiv und von großer Attraktivität für alle Beteiligten.
Dazu zählen auch die Studierenden der Universität. Im Rahmen eines Seminars bereiten sie nämlich die Veranstaltung mit vor von der Webseite über den Trailer bis hin zum Katalog.
Prof. Dr. Malte Hagener, der seit 2011 die organisatorische und inhaltliche Leitung innehat, bezeichnete Jürges als "einen der zentralen Kameraleute des deutschen Films der letzten 40 Jahre". Er sei vielseitig und experimentell und stelle sich immer wieder neuen Herausforderungen.
"Jürgen Jürges ist interessiert an neuen und vielleicht auch vergessenen alten Gestaltungsmöglichkeiten", sagte Hagener. Dabei hat Jürges nicht nur mit Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders oder Michael Haneke zusammengearbeitet, sondern auch an vielen Debut- und Abschlussfilmen von Filmhochschulen mitgewirkt.
Seine Vielseitigkeit zeigt sich auch darin, dass zu seinem Werk Filme des Autorenkinos ebenso zählen wie Kinderfilme, historische Stoffe, Fernsehfilme und sogar Musikclips. Gemeinsam mit Wim Wenders drehte er sowohl ein Video für die "Toten Hosen" wie auch für "U2".
Jürges wurde 1940 in Hannover geboren, ging in Bremen zur Schule und studierte in Berlin Fotografie. Schon ganz früh habe er sehr gerne Fotos und Filme betrachtet, ohne zu ahnen, dass das eines Tages sein Beruf sein würde, erzählte er 2013 in einem Interview.
Bevor er als Kameraassistent unter anderem bei Ernst Wild und Franz Rath arbeitete, volontierte er Anfang der 60er Jahre bei der Firma "modern art film" in Berlin. Im Laufe seiner Karriere hatte er Brigitte Mira und Daniel Brühl ebenso vor seiner Kamera wie Juliette Binoche oder Dennis Hopper.
Sein Credo lautet: "Wichtig ist die Geschichte". Der Stoff ist für ihn das Auswahlkriterium für seine Projekte.
Hubert Hetsch von den Filmkunsttheatern und Mitglied des Beirats des Marburger Kamerapreises freut sich bereits sehr auf die Gespräche mit Jürges. Zur Verleihung des Marburger Kamerapreises gehören auch die Bild-Kunst-Filmgespräche in den Filmkunsttheatern. Zwei Tage lang gibt es Sondervorführungen von Filmen des jeweiligen Preisträgers, und der stellt sich Diskussionen mit Wissenschaftlern, Kollegen, Kritikern und dem Publikum.
Hetsch ist gespannt darauf, zu erfahren, wie Jürges einige Einstellungen von "Ich und Kaminski" fotografiert hat, bei denen der Experte staunte. Rüdiger Laske vom Berufsverband Kinematografie hält Jürges 104. Film "Ich und Kaminski" für einen "Glücksfall im deutschen Film". Jürges Arbeit, seine Bilder seien immer im Dienst der Geschichte.
"Die Schauspieler werden ihn vermutlich geküsst haben, so gut sehen sie aus", sagte Laske. Dass man bisher so wenig von Jürges wissen, liege an seiner Bescheidenheit.
Der Marburger Kamerapreis wird seit 2002 verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem Raoul Coutard, Eduardo Serra, Agnès Godard und Ed Lachmann. Mit Jürges erhält zum fünften Mal ein Deutscher die Auszeichnung.
Die Bild-Kunst-Kameragespräche werden vom 11. bis zum 12. März 2016 stattfinden. Am 12. März um 20 Uhr wird Jürges den Marburger Kamerapreis in der Alten Aula der Philipps-Universität entgegennehmen.


pm: Stadt Marburg - 31.10.2015



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